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Stolpersteine für die Familien Kaufmann und Falk

Stolperstein
(Related building) Standort: Tönisvorst, St. Tönis, Hochstraße 65 & 67

Literature

rp online, 02.03.2011, 02.08.2011

 
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rp online

wz online, 29.03.2011, 01.08.2011

 
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(= wz online)

     

Permalink: https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/42031695
Dok-Nr.: obj 42031695

Sorry, this entry is only available in German.

Wie in anderen Landkreisen des Rheinlandes verteilen sich die ca. 240 Gedenkobjekte des Landkreises Viersen zur NS-Zeit nicht gleichmäßig über das Kreisgebiet. Am ausgeprägtesten ist die Gedenklandschaft zur NS-Zeit in der Stadt Viersen. Es folgen Städte wie Kempen, Nettetal und Willich. In über der Hälfte der Städte oder Gemeinden des Landkreises sind STOLPERSTEINE des Künstlers Gunter Demnig verlegt oder eine Verlegung geplant (Stand Ende 2012: Nettetal).

In Kempen und Nettetal besteht die typische Gedenklandschaft zur NS-Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, wie sie an sehr vielen Orten im Rheinland anzutreffen ist: Die Gedenkobjekte befinden sich an den Standorten der ehemaligen Synagogen, und die jüdischen Friedhöfe stehen unter Denkmalschutz und an oder auf einige stehen Mahnmale. Hinzu kommen dann zumeist weitere Gedenkobjekte am Rathaus oder einer anderen stadtrepräsentativen Stelle.

In Nettetal erinnert die Jupp-Rübsam-Straße an den Künstler, der sich nach 1945 in dieser Gemeinde niedergelassen hatte, und während der NS-Zeit als “entartet” galt. Rübsams I. WK -Denkmal löste in Düsseldorf einen regelrechten Denkmalstreit aus, der in einem Denkmalsturz endete. Sein I. WK-Denkmal wurde von den Nationalsozialisten 1933 abgerissen und durch ein ns-konformes ersetzt, das heute noch steht. 1978, 50 Jahre nach der Einweihung, wurden die erhalten gebliebenen Reste des Rübsam-Denkmals erneut eingeweiht. Heute verweisen Informationstafeln an den Denkmälern auf die Geschichte der beiden Mahnmale.

Die Stadt Viersen verfügt über eine ausdifferenzierte Gedenktopografie zur NS-Zeit. Neben Gedenkobjekten, die an die ehemalige Synagoge erinnern, und auf dem jüdischen Friedhof, gibt es einen Straßennamencluster zu Widerstandskämpfern und NS-Verfolgten, zu denen auch Nikolaus Groß gehört. Ein I. WK-Denkmal sei besonders erwähnt. Es steht in Viersen-Dülken und wurde von dem Kölner Künstler Willy Meller geschaffen. Mellers Denkmal stellt einen Siegfried dar und schafft eine im Rheinland ungewöhnliche Querverbindung zwischen der Nibelungen-Sage und dem I. Weltkrieg. Nicht nur das Denkmal als solches ist umstritten, auch die Person des Künstlers selber ruft Kritik hervor. Meller gehörte zu den meistbeschäftigten Bildhauern im Nationalsozialismus und schuf z.B. das umfangreiche Bauskulpturenprogramm auf der Vogelsang, aber auch nach 1945 zahlreiche so genannte Kriegerdenkmäler, wie z.B. in Oberhausen und in Frechen (Rhein-Erft-Kreis).

Weitere Besonderheiten der Gedenklandschaft des Landkreises Viersen ist das Gedenken an die so genannten Euthanasie-Morde in der Stadt Viersen und in Schwalmtal-Hostert. In der Eingangshalle der heutigen Rheinischen Landesklinik Viersen (der damaligen Provinzialanstalt Johannistal/Süchteln) erinnert eine Gedenktafel daran, dass von hier mehrere hundert Patientinnen und Patienten abtransportiert und zum größten Teil ermordet wurden. In Süchteln, vor dem Landeskrankenhaus, liegen mehrere Bronzeplatten in Beton gegossen auf dem Boden und erinnern an die T4-Mordaktion. Die Tafel in Schwalmtal-Hostert steht auf dem Anstaltsfriedhof und weist ebenfalls auf die Mordaktionen in der dortigen ehemaligen Provinzial Heil- und Pflegeanstalt hin.

In Niederkrüchten im Lüsekamp erinnert eine Gedenktafel an die Ermordung von 14 niederländischen Zwangsarbeitern aus Roermond, deren Leichen auf dem Roermonder Friedhof beerdigt sind. Hieraus hat sich im Laufe der vergangenen Jahre ein grenzüberschreitendes Gedenken entwickelt, wie es z.B. auch für die niederrheinischen Landkreise nachweisbar ist.

Die Gedenktopografie zu den Weltkriegen ist im Landkreis Viersen, darin gleich allen anderen Landkreisen im Rheinland, flächendeckend ausgeprägt und bestens dokumentiert durch das Buch von Arie Nabrings, … eine immerfort währende Mahnung … Denkmäler für die Gefallenen des 1. Weltkriegs im Kreis Viersen, Viersen 1996. Ergänzend sei darauf verwiesen, dass in vier Städten Gedenkobjekte zum Thema Flucht und Vertreibung gibt (Kempen, Tönnisvort, Viersen und Willich) stehen. In Viersen und Nettetal gibt es zusätzlich Beispiele eines Gedenkens an die deutschen Kriegsgefangenen bzw. Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft. Das Gedenkobjekt in Viersen ist eine Gedenktafel, die in den 1950er Jahren weit verbreitet gewesen und vom Verband der Heimkehrer initiiert war. Sie zeigt im Relief ein Lager, das mit Stacheldraht umzäunt und Wachtürmen versehen ist. Entworfen wurde sie von Fritz Theilmann, der im Rheinland vor allem im Rhein-Erft-Kreis mit weiteren Werken zur Thematik nachgewiesen ist. Des weiteren stehen in Viersen zwei und in Willich ein Einigungskriege-Denkmal.

Hans Hesse

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Die Gedenktopografie zur NS-Verfolgung in Tönisvorst besteht aus den STOLPERSTEINEN des Künstlers Gunter Demnig, einem Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in der Hospitalstraße und zwei schlichten Gedenksteinen auf den jüdischen Friedhöfen in der Krefelder Straße und im Gotthardusweg. Die Inschriften lauten “Die Gemeinde Vorst gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger” und “Zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die auf diesem Friedhof und anderswo ihre letzte Ruhestätte fanden” (Krefelder Straße). Während bei der ersten Inschrift lediglich der Anlass des Gedenkens nicht genannt wird (NS-Verfolgung und Ermordung), der offenbar als Allgemeinwissen vorausgesetzt wird, muss die zweite Inschrift Befremden auslösen. Soll mit dem Begriff “anderswo” z.B. das Vernichtungslager Auschwitz gemeint sein? Und weiter gefragt: Fanden die dort ermordeten Menschen dort ihre letzte Ruhestätte?

Die Gedenklandschaft zum Weltkriegsgedenken ist komplexer ausgestaltet. Neben den üblichen Denkmälern zum I. und II. Weltkrieg wurde z.B. ein Einmannbunker unter Denkmalschutz gestellt. Größeren Raum nimmt des Weiteren das Gedenken an das Thema Flucht und Vertreibung ein. Bereits 1964 wurde, mit der Einweihung des neuen Rathauses, dort im Foyer eine Holztafel aufgehängt, die an die Flucht und Vertreibung, die Aufnahme und den Neubeginn in Tönisvorst-St. Tönis erinnert. Als 1985 ein weiteres Gedenkobjekt beantragt wurde, lehnte dies eine SPD, FDP, GRÜNE-Mehrheit im Rat ab. In einer Publikation von 1992, die die Geschichte der Tönisvorster Vertriebenen ausführlich schildert, heißt es, dass die Anregung eines Denkmals “kein unbilliges Verlangen [sei] …, wenn man bedenkt, dass einige tausend jetzige Tönisvorster Bürger aus Ostdeutschland stammen”. (Riechers, Hans, Sie kamen aus dem Osten … Die Geschichte der Vertriebenen in St. Tönis und in Vorst, Tönisvorst 1992, S. 217). Bemerkenswert, dass der Autor drei Jahre nach dem Mauerfall sein Deutschland noch immer in den Grenzen von 1937 dachte. Am 10. November 1989 wurde neben der Christuskirche eine Glocke aus der pommerschen Stadt Altkrakow, aus der viele spätere Tönisvorster stammen, und ein Gedenkstein eingeweiht. U.a. heißt es in der Inschrift auf dem Gedenkstein: “Die Glocke soll alle Vertriebenen an ihre Heimat erinnern und uns mahnen zu Frieden und Versöhnung”. Die Glocke als Symbol der verlorenen Heimat ist eine Ikone des Vertriebenen-Gedenkens (vgl. u.a. Haus Schlesien in Königswinter, Rhein-Sieg-Kreis). Die Glocke selber wurde aber nicht etwa von Vertriebenen oder Flüchtlingen in den Westen geschafft, sondern sie sollte 1943 eingeschmolzen werden und wurde entsprechend demontiert und abgeliefert. Über Hamburg und Delmenhorst kam sie schließlich nach Tönisvorst.

Hans Hesse

 
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